Dysphorisch psychologie
Die prämenstruelle dysphorische Störung PMDS kann Betroffene depressiv, leicht reizbar oder unkonzentriert machen.
Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS)
Forschende haben den Serotoninhaushalt bei Betroffenen untersucht. Ihre Erkenntnisse machen Hoffnung auf eine Verbesserung der Behandlung. Audio herunterladen 2,1 MB MP3. Wenn in den Tagen vor der Periode die Stimmung gedrückt ist, die Brust schmerzt oder es schwerer fällt, sich zu konzentrieren, dann deutet das auf das prämenstruelle Syndrom PMS hin.
Gut die Hälfte der Menstruierenden kennt PMS aus eigener Erfahrung. Die schwerere Form hingegen ist kaum bekannt, betrifft aber — je nach Quelle — drei bis acht Prozent der Menstruierenden: Die prämenstruelle dysphorische Störung, kurz PMDS genannt. PMDS schränkt die Leben der Betroffenen stark ein. Symptome sind zum Beispiel Aggressivität, Depression, körperliche Beschwerden wie Brustschmerzen oder erhebliche Konzentrationsstörungen.
Viele Betroffene berichten, sich in der zweiten Monatshälfte selbst nicht wiederzuerkennen, so stark seien die Wesensveränderungen durch PMDS. Grundsätzlich kann jede Person, die die weiblichen Fortpflanzungsorgane Uterus und Eierstöcke hat und im gebärfähigen Alter ist - also monatlich blutet - PMDS bekommen. Deshalb können auch trans Männer oder nicht-binäre Personen, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeschrieben wurde, betroffen sein.
Wieso manche Personen an PMDS erkranken, ist unklar.
Dysphorie – Wikipedia
Dies wirke sich auf den Serotoninspiegel aus, der wiederum die Stimmung beeinflusse, erklärt Julia Sacher, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Neuro- und Kognitionswissenschaften in Leipzig. Sacher ist die Leiterin einer kürzlich im Fachmagazin Biological Psychiatry erschienenen Studie über den Zusammenhang von PMDS mit dem Serotoninspiegel und hofft, dass ihre Forschung die Therapie von PMDS verbessert.
Sachers Team machte eine überraschende Beobachtung: Sie stellten fest, dass die Konzentration von Serotonin im Gehirn auch kurzfristig schwanken kann. Im Vergleich zur gesunden Gruppe fanden die Forschenden heraus, dass bei den Erkrankten in der Zeit vor der Blutung weniger Serotonin zur Verfügung steht. Dieser Mangel kann die Symptome auslösen, so die Studie.
Bisher war man davon ausgegangen, dass der Serotoninspiegel im Gehirn relativ stabil sei und sich höchstens alle zehn Jahre ein wenig verändere. PMDS wird, wie andere psychische Erkrankungen auch, oft mit Medikamenten behandelt. Diese nehmen die Betroffenen entweder kontinuierlich ein, also an jedem Tag des Monats. Hinter ihrem Wirkmechanismus steht die Annahme, dass der Serotoninspiegel, nebst den Hormonen Noradrenalin und Adrenalin, die Stimmung direkt beeinflusse.
Streitpunkt ist die Rolle, die Serotonin für die Therapie von psychischen Erkrankungen spielen soll. Die Forschung von Julia Sacher und ihrem Team beruht auf der Beobachtung, dass es viele bekannte Wechselwirkungen zwischen Östrogen und Serotonin gibt. Daher hält sie es trotz aller Kritik für vielversprechend, den Zusammenhang zwischen dem Monatszyklus und dem Serotoninhaushalt zu untersuchen, um PMDS besser zu verstehen.
Das bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass Serotoninmangel die Grunderkrankung ist. Die Befunde von Sachers Studie könnten jetzt zum ersten Mal erklären, warum. Denn wenn der Serotoninhaushalt bei menstruierenden Personen so spontan auf den Zyklus reagiere, könnte es reichen, nur in den Tagen direkt vor der Blutung SSRIs einzunehmen und nicht den ganzen Monat über.
Das verringere auch die Belastung, die Antidepressiva für den Körper bedeuten können. Aber Sacher unterstreicht: Die genaue Abstimmung der Therapie sei sehr individuell und immer eine Geduldsarbeit. SWR SWR Wissen. STAND Psychologie und Hirnforschung Wissenschaft und Forschung Medizin. Einklappen Ausklappen Sender auswählen. Stumschaltung aufheben Stumschalten.