Zukunft.jungsche psychologie
Vater: Johann Paul Achilles Jung — , evangelisch-reformierter Pfarrer. Die Familie Jung stammt ursprünglich aus Mainz.
Publikationen von Marie-Louise von Franz
Mutter: Emilie Preiswerk , Hausfrau, geborene Baslerin. Mediale Begabung, Interesse an Theologie, Medizin und Naturwissenschaften, also jene Bereiche, die sich in Jungs späterer Ausrichtung auf die Psychiatrie kreuzen, haben in der Familie Tradition. Ein halbes Jahr nach Jungs Geburt zieht die Familie vom Bodensee in die Nähe des Rheinfalls, nach Laufen.
Jungs früheste Erinnerungen sind hier angesiedelt. Danach zwischen Kindheit und Erwachsenenalter: Entdeckung zweier Persönlichkeiten, die er Nr. Vielseitige Interessen.
Psychologische Typen
Weiterer wichtiger Traum von der flackernden bedrohten Kerze ETG Assistent am Burghölzli unter Prof. Eugen Bleuler ETG ff. Lektüre von Freuds Traumdeutung — Zentrale Frage für ihn: Der Sinn der psychotischen Erscheinungen. Der Ehe entstammen fünf Kinder: Emma, die als still, klug und spontan fröhlich geschildert wird, stammt aus einer gutsituierten Schaffhauser Industriellenfamilie.
Ludwig Binswanger promovierte bei ihm. Aufbau eines Laboratoriums für experimentelle Psychopathologie. Entwicklung des Assoziationsexperimentes. Erste Publikationen zu Assoziationen. Man wirft ihm vor, seine Pflichten am Spital zugunsten seiner privaten Forschungen zu vernachlässigen. Eröffnet Privatpraxis.
Spielrein, als Jüdin in Russland geboren, war nach jahrelangem psychischem Leiden in die Klinik Burghölzli gekommen. Im folgenden Jahr befindet sie sich in psychoanalytischer Behandlung bei Jung, aus der sich später eine persönliche Beziehung entwickelt. Spielrein wird später selber Analytikerin. Noch viele Jahre nach Abbruch der gemeinsamen Arbeit besteht zwischen den beiden ein Briefwechsel.
Da eine Auflösung der Jungschen Ehe nicht in Frage kommt, muss sich Emma mit Toni und umgekehrt abfinden und in die entstehende Dreierbeziehung schicken. Toni Wolff bleibt bis zu ihrem Tode vierzig Jahre lang Jungs engste Mitarbeiterin. Zweiter Besuch bei Freud in Wien mit merkwürdigen parapsychologischen Phänomenen ETG und stärkeren Ambivalenzen.
Gemeinsame 7-wöchige Reise nach USA, Clark University. Gegenseitige Traumanalyse. II GW 2. Publikation: 1. Die Publikation bedeutet eine Zuspitzung des Konflikts mit Freud. Die persönliche Freundschaft zwischen Jung und Freud bricht danach ab. Revidierte Neuauflage der Gesamtschrift unter dem Titel Symbole der Wandlung, GW 5.
Jung lässt sich nun auf eine Auseinandersetzung mit dem Unbewussten ein. Die Flut von Bildern aus dem Unbewussten ist derart überwältigend, dass er sich veranlasst sieht, seine akademische Laufbahn aufzugeben. Er zieht sich in seine Privatpraxis und auf seine persönliche Forschung zurück. Erste Beschreibung der Aktiven Imagination.
Erweiterung des Interessentenkreises in Richtung Ethnologie. Damit erhob sich die Frage nach der Einheit, die diese Vielheit kompensiert. Bau des Turmes begonnen. Im Rhythmus von jeweils vier Jahren kommen Erweiterungen hinzu. Der Turm ist für ihn ein Ort, wo er sich in seinem eigentlichen Wesen aufgehoben fühlt.
Im Alter hält er sich fast die Hälfte des Jahres hier auf. Jung hatte sich schon vorher mit östlicher Philosophie und dem I Ging beschäftigt. Es beginnt jetzt eine intensive Auseinandersetzung mit der östlichen Einstellung u. GW 11, Wilhelm übersandten chinesischen alchemistischen Traktates über die Goldene Blüte.
Jung findet in diesem Text seine Gedanken über das Mandala und die Umkreisung der Mitte bestätigt. Beginn der alchemistischen Studien. Aufbau einer umfassenden alchemistischen Bibliothek. Er gibt das Amt aus Gesundheitsgründen wieder auf. Im folgenden Jahr verleiht ihm die Universität in Harvard den Ehrendoktortitel, weitere folgen aus Kalkutta, Benares, Allahabad und Oxford.
Dem Achtzigjährigen verleiht die ETH Zürich den Ehrendoktor der Naturwissenschaften. Publikationen: Zwei umstrittenen Aufsätze zur Kunst: Eine ausführlichere Kritik zu Ulysses von James Joyce, sowie ein Essay anlässlich der grossen Picasso-Ausstellung im Zürcher Kunsthaus. Jung lernte den irischen Autor übrigens erst viel später kennen, als Joyce ihn wegen seiner psychisch kranken Tochter Lucia konsultierte.
Jung beobachtet das Zeitgeschehen aus seinem spezifischen Sichtwinkel. Einen Schweizer zum Präsidenten zu machen, war ein Versuch, die Gesellschaft, die deutsch und international war — der Gesellschaft gehörten schon immer nicht nur deutsche Psychiater an, sie wurde aber als Deutsche Gesellschaft bezeichnet — der direkten Gleichschaltung durch die Nazis zu entziehen.
Unter Jungs Vorsitz wurde die Gesellschaft schon nach wenigen Monaten durch Statutenänderung internationalisiert.
Aus- und Weiterbildung
Jung hatte, eigenen Angaben zufolge, vom Inhalt vor der Publikation nichts gewusst. Später wird Jung zu seiner Verteidigung vorbringen, es sei sein Anliegen gewesen, die Psychotherapie als solche, unter den gegebenen Bedingungen, zu retten. In der Folge haftet Jung der Vorwurf an, er sei Antisemit und Nationalsozialist gewesen.
Auf die Rezeption und Verbreitung der Analytischen Psychologie wirkt sich das negativ aus. Neumann, der Sohn von Jungs jüdischem Mitarbeiter E. Neumann setzen sich mit diesen Vorwürfen gegenüber Jung auseinander und betonen, Jung sei kein Antisemit gewesen. Es beginnen die Eranos-Tagungen in Ascona, die Olga Fröbe-Kapteyn ins Leben gerufen hat.
An diesen internationalen Konferenzen kommt es zu einem fruchtbaren interdisziplinären Austausch. Unter den namhaften Teilnehmern finden sich in den folgenden Jahren auch Adolf Portmann, Martin Buber, Heinrich Zimmer, Karl Kerenyi, Erich Neumann, Hugo Rahner und viele andere mehr. Für Jung entwickeln sich die Begegnungen zu einer Plattform für anregende Auseinandersetzung in Hinsicht auf seine in Entstehung begriffenen Arbeiten.
Die Beiträge liegen in Jahrbüchern gesammelt vor. Jung ist inzwischen sechzig, hält die prestigeträchtigen Tavistock Lectures in London über Grundlagen der Analytischen Psychologie, gewährt anlässlich der Eranos-Tagung in seinem Vortrag über Traumsymbole des Individuationsprozesses erstmals Einblick in seine eingehenden alchemistischen Forschungen.
Der Nationalsozialismus als Ausbruch eines Archetyps lautet seine Diagnose der Ereignisse in Deutschland. Ende des Jahres reist Jung auf Einladung der britisch-indischen Regierung nach Indien. Zusammenarbeit mit dem ungarischen Philologen und Mythenforscher Carl Kerenyi. Gemeinsame Publikationen. Jungs Schriften werden in Deutschland verboten.
Zwei Vorlesungen über den Arzt und Philosophen Theophrastus, in denen die religiöse Frage und die Alchemie erörtert werden. Rund um die Schweiz wütet der Krieg. Jung erhält ein persönliches Ordinariat für medizinische Psychologie, das er nach einem Jahr wegen schwerer Erkrankung Herzinfarkt aufgeben muss. Im schweren Krankheitszustand erlebt Jung ekstatische Visionen — so sieht er die Erde aus einer Höhe von Kilometern -, von denen er in Erinnerungen, Träume, Gedanken auf mehreren Seiten erzählt.
In den folgenden siebzehn Jahren entstehen viele von Jungs Hauptwerken, die der Analytischen Psychologie ihre spezifische geistig-philosophische Prägung geben. Jung ruft mit diesem Werk heftige Reaktionen und Anfeindungen hervor, die das Buch sogar auf die amerikanischen Bestsellerlisten treiben. Die Bände setzen den Schlusspunkt zum Thema der Gegenüberstellung von Alchemie und der Psychologie des Unbewussten und gelten für viele als Jungs Hauptwerk.
In den folgenden letzten Lebensjahren widmet sich Jung seiner Korrespondenz täglich mehrere Stunden lang GW Briefe. In vielen Briefen verdeutlich er auf Anfragen seiner Briefpartner auf gut verständliche, konkrete und anschauliche Weise die Essentials der Analytischen Psychologie. Die im vorangegangenen Sommer auf Anregung des Verlegers Kurt Wolff gefasste Idee, eine Biografie Jungs herauszugeben, nimmt ab Frühjahr Gestalt an.
Indem sie Fragen stellt, auf die Jung dann antwortet, wird er veranlasst, sein Leben zu erzählen — ein Unternehmen, dem er zunächst nur widerwillig zustimmt. Er war mit Angaben zu seinem Privatleben immer sehr zurückhaltend gewesen. Ende des Jahres beginnt er doch selber über seine Kindheit zu schreiben, obschon ihn das Schreiben sehr anstrengt.
Es liegt etwas Unabsehbares darin, und ich kann mir nichts vorschreiben oder vornehmen. So nimmt auch die Autobiografie schon jetzt einen anderen Weg, als ich mir zu Beginn vorgestellt hatte. Dass ich meine frühen Erinnerungen niederschreibe, ist eine Notwendigkeit. Unterlasse ich es auch nur einen Tag, so stellen sich sogleich unangenehme körperliche Symptome ein.
Richard Evans kann ihn daneben für vier je einstündige Filminterviews gewinnen. Jung findet auch noch Kraft für weitere Gespräche, darunter eines für den Schweizer Rundfunk. Anlässlich seines Geburtstags wird Jung zum Ehrenbürger von Küsnacht ernannt. Schon unmittelbar nach dem Geburtstag erkrankt er ernstlich, erholt sich aber nochmals. Das — mit Absicht — eher populär gehaltene Buch ist eine Einführung in die Analytische Psychologie, an der mehrere Autoren und Autorinnen beteiligt sind.