Streit verloren psychologie
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Psychologie: Persönlichkeit kann man schwer ändern, dafür aber den Konfliktstil | ZEIT ONLINE
Du bist schuld! Nein, du! Ob Paare, Eltern und Kinder oder Freunde — täglich haben Menschen Probleme miteinander und zoffen sich. Aber warum streitet man sich überhaupt und wie können Konflikte konstruktiv gelöst werden? Aus dem Podcast Zeitfragen. Podcast abonnieren Egal ob Bio-Nazis, DDR-Wochenkrippen oder Tabuthema Menstruation — das Zeitfragen-Feature von Deutschlandfunk Kultur beleuchtet die Hintergründe.
Beitrag Sendung Apple Podcasts Google Podcasts Spotify RSS Feed. Was ich wichtig finde bei unseren Streitereien, ist einfach, das geht mal hoch und dann ist auch wieder gut. Ich ertrage Dinge manchmal länger, aber wenn ich das Gefühl habe, ich bin genug gereizt worden, bin ich vielleicht diejenige, die eher an die Decke geht. Nur zwischen einem halben und zweieinhalb Prozent der Bevölkerung gelten als Querulanten im psychiatrischen Sinne.
Denn Menschen haben unterschiedliche Perspektiven, Werte, Biografien. Auch wer innige Beziehungen eingeht — in der Liebe, zu Kindern, Eltern, Freundinnen und Freunden — bleibt ein Individuum mit persönlichen Ecken und Kanten. Das Feature ist eine Wiederholung der Sendung vom Sechs Prozent stehen im ständigen Konflikt mit sechs bis 20 Personen.
Wie oft genau, ermittelte eine Studie der Onlinedating-Plattform "Parship" gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut "Innofact". Der Psychologe betreibt "Theratalk", eine Online-Beratungsstelle für Paartherapie, die an das Psychologische Institut der Universität Göttingen angegliedert ist.
Persönlichkeit kann man schwer ändern, dafür aber den Konfliktstil
Kurzfristig zeigt der Körper die typische Stressreaktion. Dass also die Wut sozusagen über die Angst drübergelegt wird, um nicht so verletzlich zu sein. Und man geht eben in den aggressiven Modus, in den Angriffsmodus, um einfach sich selbst davor zu schützen — vor einem Verlust oder von dem drohenden Verlust, der mit Angst verbunden ist.
Dann bin ich wirklich, wirklich sauer. Streitanlässe im Nahfeld gibt es zuhauf. Kinder räumen ihr Zimmer nicht auf, putzen sich nicht die Zähne, kommen zu spät nach Hause, kümmern sich nicht um ihre Hausaufgaben. Paare streiten über Schwiegereltern, Alkohol- und Internetkonsum, exzessive Arbeitszeiten, zu viel, zu wenig, falschen Sex, Untreue, Haushalt, Geld.
Meist nur der Anlass, sagt Paartherapeut Ragnar Beer. Entlastest du mich? Fühle ich mich unterstützt? Tatsächlich versuchen beide Geschlechter vor allem, Probleme zu lösen, indem sie konkrete Lösungsvorschläge machen. Und beide Geschlechter bemühen sich leider deutlich weniger darum, die Gefühle des anderen nachzuvollziehen, was sich aber viele vom anderen wünschen würden.
Ich bemerke, dass da auch mal Worte fallen. Wir sprechen da schon etwas schärfer über einzelne Sachen…" Angela Mickley bekleidete 22 Jahre lang die einzige deutsche Professur für Friedenserziehung, Konfliktbearbeitung und Mediation an der Fachhochschule Potsdam. In ihrer Arbeit orientiert sie sich an dem Konfliktforscher Friedrich Glasl, der ein viel beachtetes "Stufenmodell der Konflikteskalation" vorlegte.
Den Worten, sagt Angela Mickley, folgen dann Taten. Jetzt sind wir bei der dritten Stufe. Wussten wir ja alle! Das kann dann sehr gesteigert werden. Und dann erleben wir so von der siebten, achten Stufe ausgehend eine Verkehrung der Werte, also ein Schaden an dieser anderen Person ist für mich etwas Positives.
In der sechsten Stufe kommen Drohungen, in der siebten wird es destruktiv.
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Als Vermittlerin wurde Angela Mickley in viele Gewaltsituationen dazu geholt, unter anderem nach Nordirland. Also im familiären Bereich sind das Familienselbstmorde, wo meistens der Vater Frau, Kinder umbringt, dann auch sich selber umbringt. Und das ist die totale Umkehrung aller Werte, die normalerweise Menschen gut und heilig sind.
Ein Ergebnis: Selbst den stabilsten Paaren gelingt es nur selten, grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten durch Streiten in konstruktive Lösungen zu verwandeln. Vier Streit-Stile setzen einer Beziehung besonders zu: "Erstens: Überzogene und unsachliche Kritik. Zweitens: Selbstrechtfertigung, ohne auf die Argumente des anderen einzugehen.
Drittens: Verachtung, Sarkasmus und offene Demütigungen. Viertens: Das Mauern, also Gesprächsverweigerung, demonstratives Weghören, zum Telefon greifen, den Raum verlassen. Und das Interessante ist eben, dass sich das wirklich im Laufe der Zeit noch verschlechtert hat. Sie sind immer unzufriedener geworden und haben sich auch häufiger gestritten.
Für frisch Verliebte lohnt es sich also, ehrlich hinzugucken. Ist es das, was ich möchte? Wie häufig streiten wir uns eigentlich? Und ist das eigentlich häufiger, als es vielleicht andere tun? Oder häufiger, als ich das möchte? Obwohl unsere Partnerschaft eigentlich noch relativ frisch ist? Ich würde eben denken, dass diese Menschen wieder mehr in die Beziehung investieren müssen, um diese dauerhaft auch gut zu gestalten.
Das kann ich eigentlich wirklich nicht sagen. Es gibt ja manchmal so Leute, wenn man jetzt befreundet ist, dann gibt es plötzlich Klagen von beiden. Der eine erzählt, der andere erzählt, und plötzlich denkt man, mein Gott, warum sprecht ihr nicht miteinander, warum erzählt ihr mir das? Und das wäre was, was ich Leuten auch dann mal jetzt vorschlagen würde. Sucht euch jemanden, mit dem ihr sprechen könnt, und das ist möglicherweise gar nicht eine dritte Freundin, sondern das ist vielleicht jemand, der ein bisschen professioneller ist.
Die Psychologin Katharina Smutny hat eine Praxis in Wien. In jeder achten Beratung sitzt ihr ein Freundschaftspaar gegenüber. Viele haben eben nicht mehr das Ziel, zu heiraten und Kinder zu kriegen, und da sollte es eben auch eine soziale Unterstützung geben. Also hier ersetzen dann die Freunde die Partnerschaft immer mehr. Mit ihnen zusammen zu sein, sorgt für die Ausschüttung des Wohlfühlhormons Oxytocin, reduziert den Stresspegel, stärkt die Immunabwehr und trägt erheblich zur psychischen und physischen Gesundheit von Menschen bei.
Der Effekt ist so stark, dass gute Freundschaften die Lebenserwartung nachweislich steigen lassen. Es ist eben ähnlich wie Liebeskummer in der Paarbeziehung, und es ist sowohl auf psychischer als auch auf körperlicher Ebene gegeben. Problemleugnung durch Schweigen. Doch das funktioniert weder in Freundschaften noch in Liebesbeziehungen.
Und das ist eben auch ein Einstieg zum Streit, der vielleicht etwas schleichender ist, als wenn man gleich konfrontiert, verbal. Typischerweise sind es Paare ab 30, die sich in eine Paartherapie begeben, meist kurz vor einer befürchteten Trennung oder aber, wenn sie Kinder haben und nicht mehr wissen, wie sie das Familienschiff gemeinsam steuern sollen.
Meist suchen sie viel zu spät Hilfe, denn in einer fortgeschrittenen Eskalationsstufe sind Streitpartner auch in einer Therapie weder bereit noch in der Lage, Vertrauen in ihr Gegenüber aufzubringen. Deshalb bieten Therapeutinnen und Therapeuten den Betroffenen oft an, sich zunächst einzeln mit ihnen zu treffen.
Konfliktberaterin Angela Mickley. Was hat Ihnen seit Jahren schon das Leben versaut? Da muss mal wieder bisschen Grund rein, also Gefühl von innerer Sicherheit in die Person, in die Beziehung, um dann überhaupt aufeinander zugehen zu können. Und dann kann man allmählich, wenn sich das bessert, wieder in eine gemeinsame Bearbeitung übergehen. Das muss allerdings freiwillig und organisch passieren.
Also ich gehe mit dem Gefühl mit. Schritt für Schritt hilft die Mediatorin den Streitenden, ihre Gefühle zu sortieren. Zum Beispiel bittet sie die Konfliktparteien, ihre schlechtesten, aber auch ihre positivsten Erfahrungen mit dem Gegenüber auf einer Skala einzuordnen. Wenn Streitende offen sagen können, was sie so wütend macht, sind sie eher bereit, auch positive Seiten des anderen und konstruktive eigene Wünsche wieder in den Blick zu nehmen.
Es wird gestritten, es gibt Konflikte, und dann steckt meistens dahinter einfach dieses Verlustgefühl bei der einen Person, die Einsamkeit und das Bedürfnis, wieder mehr Nähe herzustellen. Wie kann man Menschen helfen, sich für diese tiefer liegenden Bedürfnisse sowohl in sich selbst wie im Gegenüber zu öffnen? In den er-Jahren entwickelte Marshall Rosenberg sein weltweit beachtetes Modell der "Gewaltfreien Kommunikation".
Die Art und Weise des Sprechens miteinander, so betonte der US-Psychologe, spielt eine entscheidende Rolle dafür, ob es Menschen gelingt, mit dem Gegenüber in einer einfühlsamen Verbindung zu bleiben und destruktive Muster von Verurteilung, Verteidigung, Angriff und Rückzug aufzulösen. Marshall Rosenberg fasste die Schritte dieses Kommunikationsstils in dem einfachen Satz zusammen: "Wenn ich a sehe, dann fühle ich b, weil ich c brauche.
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Deshalb möchte ich jetzt gerne d. Weil du Zeit mit deinem Freund verbringst. Du fehlst mir. Ich fühle mich einsam ohne dich. Ich wünsche mir mehr Zeit mit dir. Der US-amerikanische Psychologe Marshall Rosenberg entwickelte das Modell der "Gewaltfreien Kommunikation". Das Konstruktive dieser Kommunikation liegt darin, dass solche Worte beim Gegenüber eine andere Reaktion auslösen, als es Vorwürfe täten.
Wenn Anna sich nicht beschuldigt fühlt, kann sie vielleicht eher so reagieren: "Ich höre, dass du einsam bist, dass ich dir fehle, weil ich auch viel Zeit mit dem Freund verbringe, und ich verstehe, dass du dich auch so fühlst. Das ist mir klar, ich verstehe das.