Lombe psychologie

Weinen kann gut und wichtig für die mentale Gesundheit sein. Dennoch weinen Männer seltener als Frauen. Erst recht in der Öffentlichkeit. Das hat mit Stereotypen zu tun. Es kann aber auch daran liegen, dass Gefühle überhaupt nicht wahrgenommen werden können. Ob der Erfolg an der kompositorischen Leistung oder der Message des Songs liegt, ist schwer zu sagen.

Dass Männer oder Jungs eigentlich nicht weinen sollten — zumindest nicht öffentlich —, ist eine gesellschaftliche Haltung, die vermutlich bis heute noch in vielen Köpfen präsent ist. Beispielsweise erzählte Prinz Harry in einem Interview, dass er beim Tod seiner Mutter Diana nur einmal geweint habe — auf der Beerdigung. Ein Forschungsteam der University of Queensland fand in einer veröffentlichten Studie heraus, dass Männer in der westlichen Welt im Schnitt nur einmal pro Monat weinen, Frauen dagegen dreimal.

Die Gründe dafür liegen vermutlich in der Erziehung und Sozialisation.

Weinen und Männer: Tränen können helfen, mit Emotionen umzugehen · Dlf Nova

Je nach Erziehung und kulturellem Hintergrund kann Weinen auch als Zeichen von Charakterschwäche oder Instabilität gelten. Weinen gilt als Ureigenschaft des Menschen. Es dient als Kommunikationsmittel und kann verschiedene Dinge wie Hilflosigkeit, Schmerz oder Angst signalisieren. Warum es Männern dennoch schwerer als Frauen fällt, ihre Gefühle durch weinen mit anderen zu teilen, erklärt der Psychologe und Psychotherapeut Björn Süfke.

Und dabei spricht er mit ihnen über Gefühle, Probleme, Schwierigkeiten und Ressourcen. Das Hauptproblem sei nicht, dass Männer keine Gefühle zeigen können, so der Psychologe, sondern dass Gefühle oft gar nicht wahrgenommen werden könnten. Björn Süfke zufolge falle es Männern schwer, sich Gefühlen wie Angst einzugestehen.

Das sei die Folge von traditionell männlicher Sozialisation, die uns diese Gefühle über Jahrhunderte abgesprochen habe. Männer müssten gegen dieses anerzogene Verhalten steuern, um Emotionen offen zeigen zu können.

Dipl.-Psych. André Lombe

Aus Sicht des Psychologen sei nicht der Ausdruck eines Gefühls das Entscheidende. Viel wichtiger sei, dass Männer ein Gefühl wahrnehmen, um daraus Schlüsse ziehen zu können: "Das ist ja der Sinn von Gefühlen. Sie liefern uns Informationen über unser Verhalten, also, wie wir uns verhalten sollten im Leben", so Björn Süfke.

Der Psychologe Andreas Knauf aus Konstanz berichtet, er erlebe häufig, dass Menschen depressiv werden, wenn sie nicht richtig trauern. Durch psychische Schwierigkeiten, die dann einfach auftreten. Das zu lernen sei nicht leicht, sagt der Therapeut aus Konstanz. Die Menschen, die in seine Praxis kommen und gerne weinen würden, denen es aber nicht gelingt, zeigt der Psychologe Wege: Ein Tipp von Andreas Knauf ist durch den Mund, anstatt durch die Nase zu atmen, weil die Nasenatmung viel kontrollierter als die Mundatmung ist.

Da merkt man richtig, dass was beim Menschen passiert — nur dadurch, dass er das beherzigt", sagt Psychologe Andreas Knuf aus Konstanz. Themen Podcasts Programm Nachrichten Moderation. Januar Tränen als Kommunikationsmittel. Nämlich, dass wir Männer oftmals Schwierigkeiten damit haben, Probleme wie Trauer, Scham, Angst, Schuld, Hilflosigkeit überhaupt wahrzunehmen. Gefühle wahrnehmen, um daraus Schlüsse zu ziehen.

Weinen kann man neu lernen Der Psychologe Andreas Knauf aus Konstanz berichtet, er erlebe häufig, dass Menschen depressiv werden, wenn sie nicht richtig trauern. Live Playlist.