Psychologie des interdisziplinärem team
Neo gehört zum Team. Denn es braucht viele Helfer, um junge Patienten in ihrer psychischen, sozialen und biologischen Situation zu erfassen, ihre Entwicklungsressourcen zu stärken und ihnen so einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Eine Drei-Minuten-Medizin ist die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie nicht.
Gundolf Berg klingelt, der stutzt zunächst. Prominent hängt dort das Bild eines Hundes. Was steht darunter? Aber der Hund sieht nett aus, er lacht irgendwie, gar nicht wie ein Wachhund — es ist ein Golden Retriever. Gundolf Berg, einer der beiden Praxisinhaber und lacht. Als Therapiehund ist er vielmehr im weitesten Sinne ein Teammitglied im Zentrum für ambulante Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, kurz ZAP.
Das ZAP gehört zu den rund Kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen in Deutschland, die sozialpsychiatrisch arbeiten. Auf diese Weise werden die verschiedenen Aspekte bei der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sehr differenziert betrachtet und behandelt. Im ZAP arbeiten neben den Kinder- und Jugendpsychiatern und -psychotherapeuten auch Sozialpädagoginnen und verschiedene Therapeutinnen, zum Beispiel eine Kunsttherapeutin, eine Zirkustherapeutin und eine Fachkraft für tiergestützte Therapie.
Und wirklich: Auf dem Weg zu Bergs Besprechungs- und Behandlungszimmer geht es vorbei an Räumen mit Leinwänden und Farbtöpfen für die Kunsttherapie, an Besprechungszimmern für psychologische Testdiagnostiken und dort kommt auch ein Raum für die tiergestützte Therapie. Bergs Behandlungszimmer ist auf einer Seite fast vollständig verglast.
Aus dem achten Stock des Bonifatiusturmes geht der Blick über den Bahnhof und weiter über ganz Mainz. Normalerweise kommen sie aber mit ihren Angehörigen. So wie heute.
Das interdisziplinäre Team: Kids-Ernaehrungs schulung
An einem runden Tisch sitzt Philipp, neun Jahre, mit seiner Mutter. Berg nimmt sich für dieses Gespräch jetzt eine Stunde Zeit. Schnell wird deutlich: Philipp hat Schwierigkeiten in der Schule, die Noten sind schlecht, er hat oft Streit mit Lehrern und mit anderen Schülern. Im Erstgespräch ist Philipp zurückgezogen und etwas mürrisch. Er ist einsilbig, aber nicht patzig, nach einiger Zeit geht er in die Spieleecke, um sich dort mit einer Ritterburg zu befassen.
Im Gespräch mit der Mutter erfährt Berg, dass Philipp sich kaum mehr mit anderen Kindern trifft und nicht zu Geburtstagen eingeladen wird. Früher sei das besser gewesen, zu Kindergartenzeiten. Dort sei er immer sehr lebhaft und einer der lautesten gewesen. Im Verlauf des Gespräches zeigt sich auch: Die Mutter fühlt sich von ihrem Mann, Philipps Vater, nicht unterstützt. Er wiegelt ab und will mit den schulischen und sozialen Problemen seines Sohnes nichts zu tun haben.
Zur Familie der Mutter besteht hingegen ein guter Kontakt. Die Mutter ist mit Philipp bei allen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt gewesen. Philipp ist danach körperlich gesund, er war auch bislang nicht in Behandlung. Sie helfen dabei, Philipp in seiner psychischen, sozialen, aber auch biologischen Situation möglichst umfassend zu verstehen.
Wie geht es nach dem Gespräch weiter? Bei Hinweisen auf eine körperliche Erkrankung, zum Beispiel eine Absencen-Epilepsie, ordnet Berg extern ein EEG, bei Bedarf auch EKG und Laboruntersuchungen an. Berg ordnet verschiedene psychologische standardisierte Tests an, um Philipps Probleme besser zu verstehen und sinnvoll behandeln zu können.
Dazu gehören ein Test zur Beurteilung des Intelligenzniveaus und ein störungsspezifischer Fragebogen zur Aufmerksamkeitsstörung. Er wird sie später anrufen und auch mit ihr sprechen. Die Tests nehmen Mitarbeiter in der Praxis vor. Philipp und seine Mutter erhalten dafür kurzfristig drei Termine in den nächsten ein bis zwei Wochen. Es vergehen zehn Tage, in denen aber viel geschieht: Philipp ist dreimal in der Praxis und trifft sich mit den Mitarbeitern zu verschiedenen Tests.
Berg hat in dieser Zeit mit seinem Team über Philipp gesprochen, sie nach ihren Eindrücken gefragt und die Testergebnisse beurteilt. Auch ein Gespräch mit Philipps Lehrerin hat stattgefunden. Heute ist Philipp mit seiner Mutter zum vierten Mal in der Praxis. Er kennt sich schon gut aus und marschiert wie selbstverständlich in Bergs Zimmer.
Bei dem Gespräch ist Bergs Mitarbeiterin Miriam Kronbichler dabei. Die Sozialpädagogin ist Fachkraft für tiergestützte Therapie. Seine Störung hat depressive Anteile, das Vollbild einer kindlichen Depression zeigt er aber nicht. Seine sozialen und schulischen Probleme belasten ihn aber sichtlich. Diese Beurteilung macht der Mutter zunächst Angst.
Während Philipp in der Ecke wieder mit der Ritterburg spielt, wehrt sie ab und meint, die Lehrerin dramatisiere die Situation. Daran orientiert sich die weitere Planung. Berg und Kronbichler nehmen sich daher viel Zeit und erläutern die nächsten Schritte. Bei Philipp stehen die sozialen Schwierigkeiten im Vordergrund, er erhält daher ein soziales Kompetenztraining mit dem Therapiehund Neo.
Medikamente braucht Philipp nicht. Aber sie empfehlen der Mutter eine externe Rechtschreibschulung. Berg und Kronbichler unterbrechen Philipp in seinem Ritterspiel und erläutern auch ihm ausführlich und kindgerecht, wie es weitergeht.
Kopfbereich
Er hat Vertrauen zu Berg und seinem Team gefasst und hört aufmerksam zu. Die Aussicht auf Termine mit Neo freut ihn sichtlich. Philipp kommt jetzt einmal in der Woche in die Praxis. Zusammen mit zwei weiteren Kindern verbringt er eine Therapiestunde mit Kronbichler und Neo. Auf dem Programm stehen zum Beispiel Kooperationsspiele, bei denen die Kinder lernen, unter Anleitung gemeinsam Neo zu versorgen.
Auch das Üben der Sensibilität ist wichtig: Wann braucht Neo Ruhe? In der tiergestützten Therapie geht es nicht in erster Linie um die Versorgung des Hundes. Neo ist vielmehr die Attraktion, die das Miteinander der Kinder möglich macht — der Katalysator für soziales Lernen. Die Behandlung ist aber nicht nur erlebnisorientiert.
So auch bei Philipp: Das externe Rechtschreibtraining macht ihn in der Schule sicherer, die Einbindung der Lehrerin in den Therapieprozess nimmt zusätzlich Druck von ihm. Philipp wird auch im Miteinander zwischen den Schülern freier und kann das in den Therapiestunden mit Neo Gelernte immer wieder umsetzen. Zu seinem zehnten Geburtstag besuchen ihn sieben Kinder aus seiner Schulklasse!
Der Blick des Kinder- und Jugendpsychiaters und -psychotherapeuten ist immer auf die positiven Möglichkeiten gerichtet, ressourcenorientiert. Er muss dabei komplexe soziale Situationen managen und schauen, wo die Kinder in ihrem Umfeld Stützung und Hilfe erfahren können. Interessiert an einer Famulatur?
Der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. BKJPP hilft weiter: www. Sechs Monate in der Neuropädiatrie können angerechnet werden. Das sind die Regelungen der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer. Die detaillierte Weiterbildung vor Ort bestimmt die jeweils zuständige Landesärztekammer.
Bitte dort informieren! Die tiergestützte Therapie wird neben der Zirkus- und Kunsttherapie eingesetzt. Fotos: Frederik von Eriksen. Gundolf Berg und Maria Rebmann lieben die Arbeit mit den Kindern und die Besprechungen im Team. Spielen, Malen, Basteln: Die therapeutischen Ansätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind vielfältig. Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Arbeiten im Interdisziplinären Team.
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