Warum setzten kinder ihre hände nicht ein psychologie

Etwa bis zum Alter von fünf Jahren haben Kinder eine andere Vorstellung von Sehen und Gesehenwerden als Erwachsene. Augen zu und unsichtbar? Für die lieben Kleinen selbstverständlich. Lange unterstellte man ihnen deshalb eine gewisse Egozentrik. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Kleinkinder sind Beziehungswesen, sie besitzen eine Art Wir-Perspektive.

Psychologie: Darum können kleine Kinder noch gar nicht lügen

In ihrer Wahrnehmung ist man ohne Blickkontakt unsichtbar. Logisch, dass für sie Augenzuhalten eine gute Strategie ist, um sich zu verstecken. Auf die Frage: "Kann ich dich sehen? Damit war widerlegt, dass Kleinkinder allein aus ihrer Perspektive — ich sehe nichts — auf andere folgern. Kleinkinder verstehen also, dass ihr Gegenüber Dinge sieht, die sie nicht sehen können.

Aber warum sind Kinder von ihrer Unsichtbarkeit überzeugt, obwohl sie wissen, dass das Gegenüber ihren Körper sieht? Zwar trugen die Kinder diesmal eine undurchsichtige Brille, statt die Augen mit den Händen zu bedecken; dennoch gaben sie ebenso an, dass ihr Gegenüber sie nicht sehen könne — ihren Körper aber schon. Setzte sich das Gegenüber der Kinder die Brille auf, erklärten die Kinder, dass sie diese Person nicht sehen könnten — deren Körper aber schon.

Erziehung: Praxis

Demnach spielt für Kinder unter fünf Jahren das Gegenüber bei ihrer Vorstellung von Sichtbarkeit ebenfalls eine wichtige Rolle. Ein Experiment, in dem das Gegenüber an den Kindern vorbei- und nicht in ihre Augen blickte, bestätigte die Vermutung der Wissenschaftler. In der kindlichen Vorstellung sieht man nur jemanden, der einen selbst anschaut und umgekehrt.

Davon sind Kinder unter fünf Jahren überzeugt — auch dann, wenn sie selbst beteiligt sind, fanden Psychologen der University of Southern California heraus. In ihrem Versuch erklärten Kleinkinder auf Nachfrage, dass sich zwei andere Menschen gegenseitig nicht sehen können, wenn einer von ihnen die Augen geschlossen hat. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass dem kindlichen Denken eine Art "Wahrnehmungs-Wir" zu Grunde liegt: ein beidseitiges Verständnis von Wahrnehmung, das nicht nur das Sehen, sondern auch andere Sinne betrifft.

Die Wissenschaftler verdeckten Gegenstände teilweise, wie zum Beispiel die Schweinwerfer eines Spielzeugautos oder die Fenster eines Puppenhauses. Eindeutig sichtbar, befanden diese. Für Kleinkinder kommt das Wir vor dem Ich. Die Perspektive des Ich und des Du klar voneinander zu trennen, müssen sie erlernen. Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren.

Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.