Schönheit und liebe psychologie
Dieser Text wird demnächst in leichter veränderte Form als Video auf unserem YouTube-Kanal zur Dating-Psychologie erscheinen. Hier kann er bereits vorab gelesen werden, auch mit allen Referenzen zu den Studien. Heute diskutiere ich eine Reihe von psychologischen Studien über die Rolle von Aussehen und Attraktivität bei der Partnersuche. Auf all diese Fragen versuche ich in meinem heutigen Video, Antworten zu geben, die auf psychologischen Untersuchungen oder eigenen Daten unserer Kennenlern-Community beruhen.
Die Psychologen Albada und Kolleg:innen interviewten verpartnerte Männer und Frauen, die eine Gemeinsamkeit hatten:. Die Befragten schilderten, dass es zu neuen Eindrücken kam als sie ihre heutigen Partner:innen besser kennenlernten. Je mehr sie positives gemeinsam erlebten, desto stärker fühlten sie sich auch körperlich von ihren späteren Partner:innen angezogen.
Ihre Partnerschaft hatte als Freundschaft begonnen, die sich erst im Verlauf zu einer Liebesbeziehung vertiefte.
Wie viel zählt das Äußere bei der Partnersuche? | Gleichklang Blog
Die statistische Auswertung zeigte, dass vorherige positive Erlebnisse die Attraktivität der Partner:innen steigerten und negative Erlebnisse ihre Attraktivität verminderten. Die wahrgenommene körperliche Attraktivität von anderen Personen hängt also nicht nur von deren Aussehen ab, sondern auch davon, wie wir mit Personen interagieren. Bei der Partnersuche kann es daher vorkommen, dass wir eine Person anfangs nicht attraktiv finden, wir die gleiche Person aber später als attraktiv erleben, wenn wir dem weiteren Kennenlernen eine Chance geben.
Wir befragten Personen, die über Gleichklang eine Partnerschaft fanden.
Die mentale Schönheit verzaubert unsere Sinne
Bei 72 dieser Personen war es zwischenzeitlich zur Trennung gekommen. Die Befragten gaben ebenfalls an, als wie körperlich attraktiv sie heute ihre Partner:innen — oder bei getrennten Paaren zum Trennungszeitpunkt — erlebten:. Die Psychologin Viren Swami und ihr Team haben umfangreiche Untersuchungen zur Attraktivitäts-Wahrnehmung von Partner:innen durchgeführt.
Denn es ergab sich immer wieder folgender Befund:. Das Aussehen ist wichtig für Beziehungen, aber es ist es auf eine andere Art als viele von uns denken. Die Schönheit, sie liegt letztlich in den Augen der Betrachter:innen. Wir neigen dazu, Menschen, mit denen wir gut zurecht kommen oder die wir gar lieben, in ihrer eigenen Schönheit zu erleben.
Unsere Schönheitswahrnehmung ist dabei nicht konstant, sondern sie verändert sich. Dies gibt uns bei der Partnersuche die Flexibilität, die wir brauchen, um diejenige Person zu treffen, mit der wir glücklich werden können. Bekannt ist auch, dass viele Europäer:innen dunkle Hauttypen attraktiv finden und oftmals viel Zeit aufwenden, um ihre eigene Haut zu bräunen.
In Asien und Afrika gilt umgekehrt helle Haut als attraktiv, weshalb manche auf gesundheitsschädliche Bleichmittel zurückgreifen. Solche Unterschiede unterliegen wiederum einem historisch-kulturellem Wandel:. Schönheitsideale ändern sich also. Die Psychologen Boothroyd und Kolleg:innen erfassten die Schönheitspräferenzen nicaraguanischer Männer vor der Einführung des örtlichen Fernsehens und in einem dreijährigen Verlauf danach.
Sie konnten nachweisen, dass die Einführung des Fernsehens bei den befragten Männern zu einer Verschiebung ihrer Präferenz von fülligeren Körperformen hin zu schlanken Körperformen führte. Wie stark aber beeinflussen uns gesellschaftlich normierte Schönheitsideale bei unserer eigenen Beziehungssuche? Die männliche Gay-Community — also schwule und bisexuelle Männer — verbreitet in den ihr zugerechneten Publikationen das Schönheitsideal schlank, muskulös.
Die Psychologen Flave-Novak und Coleman haben untersucht, ob dies Schönheitsideal in dieser Eindeutigkeit tatsächlich die Präferenzen der einzelnen Mitglieder der Gay-Community be ihrer Beziehungssuche widerspiegelt. Sie befragten hierfür schwule Männer nach ihren eigenen Präferenzen und baten sie ebenfalls, die Präferenzen ihrer Community einzuschätzen.
Es zeigte sich, dass die privaten Präferenzen der Befragten deutlich geringer an dem Schönheitsideal schlank und muskulös orientiert waren, als die von den Befragten angenommene typische Präferenz ihrer Community. Da sich aber das Schönheitsideal einer Gruppe letztlich aus den individuellen Präferenzen ihrer Mitglieder ergibt, bedeutet dies, dass die Befragten die Eindeutigkeit des Schönheitsideals ihrer Community überschätzten.
Oder anders formuliert: Sie unterschätzten die Pluralität und Diversität von Schönheitsvorstellungen innerhalb ihrer eigenen Community. Das Verkennen solcher Diversität wird als pluralistic ignorance bezeichnet. Ich möchte an dieser Stelle vor allem die positive Botschaft, die sich aus diesen Befunden ergibt, herausstellen:. Selbst in einer Community, in der ein gewisser Körperkult durchaus verbreitet ist, gibt es tatsächlich eine Pluralität und Diversität der Präferenzen.
In Wirklichkeit ist niemand chancenlos,. Dies kann bereits ein Stadtspaziergang beweisen. Schauen wir uns die verschiedenen Paare und ihre körperlichen Merkmale an. Es wird sofort klar, dass Menschen mit allen erdenklichen Merkmalen Partnerschaft finden können. Die Psychologinnen Sangrador und Yela befragten Singles, auf welche Merkmale sie bei der Suche nach unverbindlichen Kontakten oder nach langfristigen Liebesbeziehungen achteten.
Hierzu konnten die Teilnehmenden Faktoren aus einer Liste von 20 möglichen Faktoren auswählen, aber auch zusätzliche weitere Faktoren benennen. Es zeigten sich starke Unterschiede zwischen der Suche nach unverbindlichen Kontakten und langfristigen Beziehungen:. Körperliche Attraktivität ist demnach für unverbindliche Kontakte tatsächlich ein dominanten Suchfaktor, ist Einfluss bei der Suche nach Langzeitbeziehungen ist aber eher untergeordnet.
Allerdings sollten wir nicht immer den direkten Angaben von Befragten trauen. Manchmal wissen wir als Menschen gar nicht, was uns antreibt. Deshalb baten die Autor:innen verpartnerte Personen ihre am Anfang der Beziehung erlebte körperliche Anziehung und die Art der Beziehungs-Entstehung anzugeben. Es zeigte sich, dass die körperliche Attraktivität je nach Entstehungsart von Beziehungen eine unterschiedliche Rolle spielte:.
In einer eigenen Umfrage verglichen wir Personen, deren Gleichklang-Beziehung als Liebe auf den ersten Blick entstand, mit Personen, bei denen sich die Liebe langsam entwickelt hatte. Beide Arten des Beziehungsstart — Liebe auf den ersten Blick und langsamer Beginn — können also zu einem vergleichbaren Beziehungsglück führen. Die hohe Bedeutung von Fotos führt beim Online-Dating zur Erfolglosigkeit derjenigen, die keine Fotos einstellen.
Personen ohne Profilfoto erhalten meistens eine nur geringe Resonanz. Oft finden sich sogar in Dating-Profile Hinweise, dass Personen ohne Foto sich gar nicht erst zu melden bräuchten oder sofort ein Foto senden sollten. Aus einer psychologischen Sichtweise auf das Dating ist dies durchaus bedauerlich. Denn es gibt eine Reihe gut nachvollziehbarer Gründe, warum Personen beim Online-Dating nicht sofort erkannt werden möchten.
Die juristischen Probleme von Anastasia Biefang, über die ich in meinem letzten Video sprach, sind hierfür ein Beispiel. Fast alle von ihnen sind im Verlauf dann sehr wohl zu einem Austausch von Fotos bereit. Für solche langsameren Kennenlernprozesse ist beim heutigen Online-Dating und besonders bei den Dating-Apps nur noch wenig Raum vorhanden.
Manche Dating-Seiten verpflichten ihre Nutzer:innen sogar, ein Foto einzustellen. Hinzu kommt, dass manche Dating-Apps den Platz für den freien Text stark begrenzen, z. Auch dadurch gerät das Foto stärker in den Mittelpunkt. Ergebnis ist, dass bei vielen Online-Dating Plattformen Nutzer:innen in Sekundenschnelle anhand des Fotos über Interesse oder Ablehnung entscheiden. Prozesse der Neubewertung und der Präferenzverschiebung, die viele Beziehungen erst ermöglichen, sind bei solch einem Vorgehen praktisch nicht mehr möglich.
Früher gab es Zeitungsanzeigen, die ohne Bild waren. Später kamen Bilder hinzu. Zudem entwickelten sich die Dating-Service, bei denen Klient:innen Dateiblätter durchblättern konnten, die Fotos und Informationen enthielten. Genau solch einen Dating-Service untersuchten die Psychologen de Vries und Kolleginnen. Erfasst wurde die die Anzahl der Verabredungen, die die Profilinhaber:innen über den Service hatten.
In einer späteren Studie zu einem Online-Dating Szenario konnten die Autor:innen aber zeigen, dass insbesondere dann, wenn die Texte wirklich gelesen wurden und sich auch voneinander ausreichend unterschieden, nicht nur das Foto, sondern auch der Text einen Einfluss auf das Dating-Interesse ausübte.
Über das Foto hinausgehende Einflüsse des freien Textes auf das Dating-Interesse beobachteten auch die Psychologen Van der Zander und Kolleg:innen :. Der freie Text hat also eine Bedeutung für das Online-Dating. Bei Gleichklang haben wir kein Textlimit und wir versuchen unsere Mitglieder zu motivieren, so viel wie möglich über sich zu schreiben. Wir haben anhand von Personen den Erfolg der Partnersuche in Abhängigkeit von der Länge ihrer freien Texte untersuch t.
Online-Dating kann also mehr sein als Bildbetrachtung.
Wie viel zählt das Äußere bei der Partnersuche?
Trotzdem ist für viele das Online-Dating zu einer oft blitzschnellen Auswahl aus Bildern geworden. Ein Befund der Psychologen Ma-Kellams und Kolleg:innen kann als Warnung davor dienen, beim Online-Dating einfach nur nach den attraktivsten Personen zu suchen:. Sie möchten noch klarer verstehen, was bei der Online-Partnersuche falsch laufen kann und wie Sie es richtig machen können? Gefällt er Ihnen, würde ich mich über ein Like und auch ein Abonnement des Kanals freuen!
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Die mentale Schönheit verzaubert unsere Sinne: Gedankenwelt
Ihre Nachricht. Sie sind hier:. Geschrieben am 1. Dezember Wie statisch oder flexibel ist unsere Attraktivitätswahrnehmung? Worauf achten Menschen, die auf Partnersuche sind? Welchen Einfluss haben Schönheitsideale auf unsere Partnersuche? Welche Rolle spielen Foto und freier Text beim Online-Dating? Wenn sich der Eindruck ändert Die Psychologen Albada und Kolleg:innen interviewten verpartnerte Männer und Frauen, die eine Gemeinsamkeit hatten: Alle Befragten hatten ihre heutigen Partner:innen anfangs als wenig attraktiv erlebt.
Im weiteren Verlauf des Kennenlernens änderte sich dies und sie nahmen ihre Partner:innen zunehmend als immer attraktiver war. Wie kam dies? Die meisten der Befragten hatten eine weitere Gemeinsamkeit: Ihre Partnerschaft hatte als Freundschaft begonnen, die sich erst im Verlauf zu einer Liebesbeziehung vertiefte. Wie können wir uns solche Neubewertungen vorstellen?
Hierzu ein Zitat: Anfänglich hielt ich sie für vom Aussehen her ziemlich durchschnittlich. Ich erinnere mich, dass ich einem Freund sagte kurz nachdem ich sie kennengelernt hatte, dass sie ein bisschen klobig sei. Aber nachdem wir miteinander ausgegangen waren und ich erkannte, wie gut wir uns verstanden, sah ich sie als körperlich viel attraktiver an.
Ich sah sie tatsächlich anders. Ein weiteres Zitat: Im ersten Monat fühlte es sich nicht richtig an oder dass ich mich selbst davon überzeugen musste dass ich ihn als attraktiv empfand. Wir kamen gut miteinander aus und hatten viel zu reden.