Strukturelle stabilität psychologie
Gegenstand und Begriffsgeschichte Variabilität und Individualität im Kontext ihrer Zeit- und Umweltabhängigkeit und Populationszugehörigkeit sind universelle Eigenarten aller lebenden Systeme. Sie sind auch Erkenntnisgegenstand der Humanpsychologie, insbesondere der Differentiellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie. Gegenstand und Fragestellungen von Differentieller Psychologie und Persönlichkeitspsychologie lassen sich dabei nicht eindeutig trennen.
Neuere wissenschaftstheoretische Diskussionen dieser Problematik werden zudem meist noch überlagert von allgemeinen Problemen der historischen Zwischenstellung der gesamten Psychologie zwischen Geistes- und Naturwissenschaft bzw. So wird beispielsweise eine wichtige historische Entwicklungslinie der Persönlichkeitsforschung im deutschsprachigen Bereich charakterisiert durch eher geisteswissenschaftlich orientierte charakterologische , schichtentheoretische und typologische Konzepte z.
Klages, Lersch, Wellek u. Cattell, Eysenck, Guilford, Anastasi. Die engere Begriffsgeschichte der Differentiellen Psychologie beginnt im Jahre mit einer Schrift von William Stern "Über die Psychologie der individuellen Differenzen" Untertitel: Ideen zu einer Differentiellen Psychologie , eine umfassende methodische Grundlegung folgt im Jahr "Die Differentielle Psychologie in ihren methodischen Grundlagen".
Allgemeiner Erkenntnisgegenstand der Differentiellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie ist die individuelle Differenzierung bzw.
Stabilität
Grundeinheiten der Variabilität sind Individuen bzw. Personen als Mitglieder bestimmter räumlich, historisch und situativ begrenzter Populationen , die durch variable Merkmale beschrieben werden und in interaktiver Verbindung mit einer bestimmten Umwelt bzw. Situation zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmte Erlebnisse und Verhaltensweisen entwickeln. Bei der Untersuchung der Variabilität von Personen lassen sich inter- und intraindividuelle Differenzen abgrenzen Abb.
Primärer Gegenstand der Differentiellen Psychologie in der Sternschen Tradition sind interindividuelle Unterschiede, jedoch unter Einbezug intraindividuell gegliederter Merkmalsstrukturen bzw. Fragestellungen der Persönlichkeitspsychologie konzentrieren sich dabei auf intraindividuelle Aspekte mit dem Individuum im Mittelpunkt, d.
Dispositionsmustern unter Berücksichtigung von Zeit und Situation. Methodik Zentrales Bestimmungsstück allgemeiner Methodik der Differentiellen Psychologie ist die Theorie z. Auch die Differentielle Psychologie folgt dabei im allgemeinen dem in der gesamten empirischen Psychologie eingebürgerten logischen Schema der deduktiv-nomologischen Erklärung nach Hempel und Oppenheim, das seiner Herkunft nach primär auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse aus Gegenstandsbereichen unbelebter Systeme Physik, Chemie, Astronomie etc.
Die Möglichkeit der Kausalerklärung auf der Basis von Theorien mit Wirkursachen z. Fallgesetz: Verhalten eines fallenden Körpers wird durch Schwerkraft etc. Auch für die Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung mit ihrem Gegenstand der individuellen Variabilität erscheint es sinnvoll, neben der Klärung von Wirkursachen z.
Spezielle Methoden der Differentiellen Psychologie lassen sich grob nach Methoden der Datenerhebung und -analyse unterteilen Forschungsmethoden. Übliche Methoden der Datenerhebung verbinden sich z. Die Datenerhebung kann sich auch verbinden mit Fremdurteilen oder verschiedenen Möglichkeiten der Verhaltensbeobachtung. Bei hypothesentestenden Fragestellungen der experimentellen Persönlichkeitsforschung werden gewöhnlich explikative Konstrukte untersucht.
Zur empirischen Absicherung entsprechender Erklärungshypothesen werden übliche Verfahren der Inferenzstatistik wie z. Die Lösung von Entwicklungsproblemen erfordert den Einsatz von Methoden der Längsschnittanalyse wie z. Zur Lösung von Klassifikationsproblemen eignen sich z. Diskriminanz -, Cluster - oder bestimmte Methoden der Typenanalyse.
In neueren systemanalytischen Konzepten werden beide methodischen Perspektiven kombiniert, wodurch vor allem ermöglicht werden soll, über strukturelle und statische Persönlichkeitsbeschreibungen hinaus auch die prozessuale Dynamik individueller Variabilität zu erfassen und zu erklären Forschungsmethoden. Ein mögliches übergeordnetes Klassifikationskriterium ist z.
So beanspruchen z. Die Eysencksche hierarchische Persönlichkeitstheorie mit den übergeordneten Dimensionen Extraversion vs. Introversion , emotionale Labilität vs. Stabilität Neurotizismus und Psychotizismus geht über rein strukturelle und lediglich deskriptive Erklärungsmöglichkeiten hinaus. Mit der Erweiterung von Trait-Theorien durch dynamische Aspekte des Verhaltens lassen sich einerseits Verbindungen herstellen zu persönlichkeitstheoretischen Ansätzen von Bandura, Mischel u.
Andererseits werden durch die stärkere Betonung allgemeinpsychologischer Perspektiven auch Beziehungen zu biologisch orientierten Theorien der Differentiellen Psychologie ersichtlich, die über die Berücksichtigung von genetischen Anlage- und Umwelt-Problem und neurophysiologischen Wirkmechanismen hinausgehen und auch die teleonome Perspektive der Evolutionspsychologie miteinbeziehen Asendorpf, Becker mit der Synthese faktorenanalytischer Persönlichkeitsforschung und der Systemanalyse.
Faktorenanalytische Persönlichkeitsforschung wird in neuerer Zeit häufig auf ein metatheoretisch integriertes Fünf-Faktoren-Modell Big Five Persönlichkeitsfaktoren bezogen. Becker entwickelt vor diesem faktoriellen Hintergrund ein zweidimensionales Circumplexmodell. Aggression , Ängstlichkeit , Leistungsmotivation.
Immer noch sehr bedeutsam, vor allem für den gesamten nichtkognitiven Bereich der Differentiellen Psychologie, sind psychodynamische Persönlichkeitskonstrukte wie Es , Ich und Über-Ich , die sich auf die Freudsche Psychoanalyse beziehen. Im Prinzip kann auch die Psychoanalyse als Persönlichkeitstheorie betrachtet werden, deren Status als nomothetisch-empirische Theorie zwar fragwürdig ist, deren Anwendung in der Psychotherapie jedoch immer noch einen breiten Raum einnimmt.
Dieser Trend zeigt sich im methodischen Bereich, indem integrative und systemische Methodik und auch wissenschaftstheoretische Aspekte stärker berücksichtigt werden.
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Bestimmte interdisziplinäre strukturwissenschaftliche Konzepte z. Informationstheorie , Kybernetik , Synergetik , Konzepte der Selbstorganisation , Chaostheorie entsprechen dieser systemanalytischen Methodik, zu der andererseits im inhaltlichen Bereich bestimmte interdisziplinäre Erkenntnisbereiche wie Neuro- und Kognitionswissenschaften korrespondieren.
Auch für viele interdisziplinäre Forschungs- und Anwendungsbereiche zwischen Medizin und Psychologie gewinnen diese neueren integrativen Konzepte der Differentiellen Psychologie zunehmend an Bedeutung z. Psychoneuroimmunologie , neuronale Störungen wie z. Alzheimersche Erkrankung , Verhaltensgenetik. Für die inhaltlichen Gegenstandsbereiche der Differentiellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie zeichnet sich nach Konsolidierung der sog.
Deutlich ist auch der Trend, in die inhaltlichen Theorien stärker biologische Konzepte der Psychophysiologie , Neurophysiologie, Genetik Verhaltens-, Molekulargenetik , aber auch der vergleichenden Ethologie Humanethologie, Soziobiologie und der Evolutionsbiologie explizit zu integrieren. Literatur Ahrens, H. Biologische Funktionen individueller Differenzierung. Brennpunkte der Persönlichkeitsforschung Bd.
Göttingen: Hogrefe. Amelang, M. Verhaltens- und Leistungsunterschiede. Enzyklopädie der Psychologie, Bd. Asendorpf, J. Die differentielle Sichtweise in der Psychologie. Becker, P. Faktorenanalytische und systemtheoretische Persönlichkeitsforschung: Ein unüberbrückbarer Gegensatz? Pawlik Hrsg. Herrmann, T. Lehrbuch der empirischen Persönlichkeitsforschung.
Pawlik, K. Grundlagen und Methoden der Differentiellen Psychologie. Differentielle Psychologie 1: Dimensionen der Variabilität und Veränderung von Personen. Differentielle Psychologie 2: Aspekte individueller Differenzierung und Variabilität. Differentielle Psychologie 3: Systemmodell der Persönlichkeit und der Person-Umwelt-Interaktion Becker, , S. Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren.
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