Symbolismus psychologie
Symbolsprache in der Kunst 1. Werkanalyse - 'I lock my door upon myself' von Fernand Khnopff 2. Werkanalyse - 'Wahl' von Neo Rauch 3. Anhang 5.
Symbolismus Literatur: Definition & Merkmale | StudySmarter
Auf der Suche nach einem Thema für meine Seminararbeit habe ich mich mit meiner Kamera in die Münchner Pinakotheken begeben und viel Zeit damit verbracht, mir verschiedenste Kunstwerke und deren Hintergründe anzuschauen. Ich war ständig auf der Suche nach einer Inspiration, einer Anregung für eine Themenidee und war dann erstmal ziemlich ratlos, als ich nach einigen Besuchen zwar viele gute Werke gefunden hatte, mir aber immer noch kein passendes Thema in den Sinn kommen wollte.
Denn all die Werke, die mich am meisten angesprochen haben, schienen kaum Gemeinsamkeiten zu haben. Gestaltungstechniken, Stile, Motive, Epochen und Künstler - alle waren unterschiedlich und ich wusste nicht, ob und wie ich das alles zu einem Thema kombinieren sollte. Erst als ich mir zuhause in Ruhe nochmal meine Fotos angeschaut habe, ist mir etwas aufgefallen: Die Vanitas-Stillleben 1 in der Alten Pinakothek, das Gemälde 2 der mysteriösen Frau von Fernand Khnopff in der Neuen Pinakothek, der Vogelmensch 3 von Max Ernst und Neo Rauchs ' Wahl ' 4 in der Pinakothek der Moderne - all diese vermeintlich zusammenhanglosen Werke hatten doch Einiges gemeinsam, hauptsächlich was ihre Wirkung auf den Betrachter, in dem Fall auf mich, betraf.
Sie wirkten auf mich irritierend und rätselhaft, fast schon mysteriös. Und trotzdem schienen sie mir dabei gleichzeitig durch ihre Bildgestaltung etwas vermitteln zu können und wenn es auch nur Ahnungen von Gefühlen und Gedanken waren. Ich denke, genau das ist wohl auch der Grund, warum sie mich unbewusst so fasziniert und angezogen haben.
Ich habe dann auch herausgefunden, dass sich in der Auswahl meiner Kunstwerke immer die für mich interessanten Themen finden lassen: die Symbolsprache, der Mensch, die Psychologie und die Philosophie. Wie genau nun all diese Dinge miteinander Zusammenhängen, davon soll diese Arbeit berichten.
Mein Thema habe ich damit also gefunden und das ist natürlich der Titel dieser Arbeit: ,Symbolsprache in der Kunst als Ausdruck der menschlichen Gefühls- und Gedankenwelt am Beispiel von zwei Werken der Münchner Pinakotheken'. Ziel dieser Arbeit ist es darüber zu informieren, inwiefern durch Symbolsprache die menschliche Gefühls- und Gedankenwelt in Kunstwerken zum Ausdruck kommt beziehungsweise dem Betrachter vermittelt wird.
Dem Leser soll dabei gleichzeitig nähergebracht werden, dass Kunstwerke, die Symbolsprache nutzen, einen besonderen Reiz auf den Betrachter ausüben und dass sich eben diese Kunstwerke nicht nur in einer Epoche finden lassen. Zu diesem Zweck wird im einleitenden Teil zunächst festgelegt, was unter Symbolsprache zu verstehen ist.
Zur besseren Anschaulichkeit wird dann noch kurz auf die Präsenz der Symbolsprache in der Kunst eingegangen, bevor im Hauptteil dieser Arbeit die oben genannten Fragestellungen anhand von Beispielen geklärt werden. Dafür werden zwei Werkbeispiele der Münchner Pinakotheken analysiert sowie interpretiert, wobei vor Allem auf ihre Epoche, ihre Bildgestaltung, ihre Besonderheiten, ihren Hintergrund sowie ihre Thematik eingegangen wird.
Bei den Werken handelt es sich einmal um Fernand Khnopffs 'I lock my door upon myself' und um 'Wahl' von Neo Rauch. Kunstwerke, die Symbolsprache enthalten, sind in gewisser Weise vergleichbar mit literarischen Werken. Beispiele sind Stilmittel wie das Symbol, die Allegorie sowie die Personifikation, denen allen eine bestimmte Bedeutung übertragen wurde, welche sie sinnbildlich vermitteln.
Durch diese Sinnbildhaftigkeit, die in gewisser Weise eine verschlüsselnde Wirkungsweise bewirkt, ergibt sich, dass Kunstwerke mit Stilmitteln der Symbolsprache nicht sofort deutbar sind. Will der Betrachter nun Inhalt und Bedeutung von ebendiesen Werken genau verstehen können, dann benötigt er Kenntnis über die Bedeutungsfestlegung dieser Stilmittel 8 und das entsprechende Kontextwissen 9 , andernfalls wird er mit er mit unbeantworteten Fragen und einem Eindruck von Rätselhaftigkeit stehen gelassen.
Da die Stilmittel in den von mir genutzten Quellen für die Werkanalysen nicht explizit erwähnt werden und sich deren Definitionen ohnehin oftmals überschneiden, wird in folgender Arbeit auf den Gebrauch dieser Begriffe verzichtet. Stattdessen werden sie aufgrund ihrer gleichen Funktions- und Wirkungsweise unter dem Begriff Sinnbild bzw. Symbol zusammengefasst.
Eine Sache fällt beim Betrachten von Kunstwerken, die Symbolsprache enthalten, besonders auf: Die Stilmittel werden im Allgemeinen dann genutzt, wenn Botschaften verpackt oder abstrakte Dinge dargestellt werden sollen. Und da es für Künstler nicht selten einen Anlass dafür gibt, finden sich in der Kunstgeschichte immer wieder Werke, in denen Themen durch symbolische Sprache dargestellt werden.
So stellt Delacroix in seinem Gemälde 'Die Freiheit führt das Volk auf die Barrikaden' 10 die Freiheit in Form einer Frau dar 11 , zur Zeit der DDR greift Mattheuer diese Idee Jahre später in seinem versteckt politischen Werk 'Hinter den sieben Bergen' 12 wieder auf 13 und Philipon stellt den Kopf des damaligen französischen Königs als Birne dar 14 , um ihn seine Verachtung auszudrücken.
Neben Kritik und politischen Standpunkten werden auch verschiedene Sichtweisen auf das Leben thematisiert, wie etwa zur Zeit der kommenden Industrialisierung, wo Maler der Romantik mit ihren Seelenlandschaften 15 den Wunsch nach Rückzug in die Natur sinnbildlich ausdrücken. All diese Beispiele verdeutlichen, dass sich Symbolsprache ideal dafür eignet, die menschliche Gefühls- und Gedankenwelt, genauer gesagt menschenbezogene und psychologische sowie philosophische Themen, in Kunstwerken darzustellen.
Insbesondere die beiden Werkbeispiele dieser Arbeit, auf die im Kommenden noch eingegangen wird, veranschaulichen das besonders gut. Fernand Khnopff war ein belgischer Maler, Zeichner, Bildhauer, Radierer, Lithograph und Kunstschriftsteller, der in Westflandern geboren wurde. Zum Beispiel finden sich in seinen Werken wiederkehrend Abbildungen von Fabelwesen oder übermenschlich wirkende Frauen mit idealisiertem Körper.
Des Weiteren legte Khnopff viel Wert auf durchdachte Komposition 29 und darauf, den Betrachtern seiner Werke damit einen gewissen Eindruck vermitteln zu können - oftmals die inneren Regungen und Träume des Menschen betreffend. So werden die Bildelemente zwar in einem relativ realistischen Stil dargestellt, erwecken aber durch ihre Zeichen- und Schemenhaftigkeit und ungewöhnliche Bildplatzierung einen gewissen Eindruck von Unwirklichkeit.
Abgebildet ist der Oberkörper einer jungen Frau mit langem welligem kupferfarbenem Haar, die sich im Mittelgrund des Bildes befindet. Auf der tischähnlichen Fläche befinden sich zudem noch ein Pfeil mit blauer Pfeilspitze und ein weiteres, blaues Tuch. Auffallend sind neben ihrer blassen Haut hierbei besonders ihre unnatürlich hellen blauen, fast grauen Augen.
Eine Annahme wäre, dass die Frau sich in einem dunklen, recht leeren Zimmer befindet, denn geometrische Grundformen im Hintergrund deuten eine Zimmerwand an. In dem Fall könnten die zwei angeschnittenen Kreise links oben Spiegel sein, während das ebenfalls angeschnittene Rechteck dazwischen ein Wandbild darstellen könnte.
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Direkt daneben scheint eine Tür auf einen kleinen Gang zu führen. Im Hinblick auf Khnopffs Schaffen wird klar, dass dies bewusst von ihm beabsichtigt war. Er wollte den Betrachter zum Mitdenken anregen und hat Bildelemente mit Absicht so gestaltet, dass sie mehrdeutig gelesen werden können. Wie bei den meisten seiner Werke griff er auch hier auf private Bildsprache zurück und nutzte Symbole, von denen keine Bedeutungsfestlegungen vorliegen.
Zudem vermied er es, je ein Wort über mögliche Interpretationen seiner Werke zu verlieren. Grundsätzlich ist es also nicht leicht, seine rätselhaft verschlüsselte Bildgestaltung zu deuten. Und zwar gründet das Werk auf einem von Christina Rosetti verfassten Gedicht mit dem Titel 'Who shall deliver me' 38, von dem der 7.
Vers namensgebend für Khnopffs Gemälde ist. Viel Aufschluss liefert hier v. Sein Flügel zitiert hierbei die blaue Blume der Romantik, dessen Farbe Sinnbild für Träume, die Grenzenlosigkeit von Himmel und Meer sowie für die Auflösung im Unendlichen ist. Vor Allem aber, steht sie in Khnopffs Werken für das Geheimnis, was in Hinblick auf die rätselhafte Bildgestaltung dieses Werkes als eine treffende Beschreibung erscheint, denn tatsächlich bleibt trotz Hintergrundkenntnis noch vieles mehrdeutig.
Was jedoch mit ziemlicher Sicherheit feststeht ist, dass Melancholie in diesem Werk sehr präsent ist, was in erster Linie an der blassen Farbgebung ersichtlich wird. Die Trübsinn erweckenden Farben sowie der Pfeil als Symbol von Liebe oder Schmerz 40 lassen vermuten, dass in der Innenwelt der jungen Frau eine gewisses Ungleichgewicht herrscht. Auch interessant ist noch, inwiefern die Sicht auf das menschliche Leben durch die Lilien zum Ausdruck kommt.
Zum einen stellen sie mit ihren unterschiedlichen Wachstumsstadien verschiedene Lebensabschnitte des menschlichen Lebens dar und zum anderen stehen sie als Feuerlilien für eines der 4 Elemente, die in diesem Gemälde vorzufinden sind. Gut hundert Jahre nach der Geburt von Fernand Khnopff kam Neo Rauch in Leipzig zur Welt. Er ist ein sehr gefragter deutscher Maler, der u.
Bereits hat er erstmals in New York ausgestellt. Wie seine Frau Rosa Loy ist auch er Vertreter der sogenannten Neuen Leipziger Schule - einer Epoche, für die eine sinnbildhafte Ausdrucksweise typisch ist. Rauch gilt als ihr bedeutendster Vertreter und ist international bekannt für seine Fähigkeit, inhaltlich ansprechende Geschichten mit seiner ausgefeilten Maltechnik auf seine Leinwände zu projizieren.
Ähnlich wie Khnopff erschafft er Bilderrätsel, die aufgrund ihrer Sinnbildhaftigkeit nur schwer entschlüsselt werden können. Wie es für seine Kunstrichtung typisch ist, enthalten diese oftmals Kritik an der modernen Lebensweise und vermitteln einen teils verstörenden Eindruck und ein gewisses Gefühl der Endzeitstimmung. Insofern gibt es thematisch kaum Gemeinsamkeiten mit Khnopff, jedoch schwingt bei Rauch auch das Philosophische mit den Fragen der Menschheit mit.
Desorientiert und isoliert wirkende Gestalten finden sich in absurden, rätselhaften Szenarien wieder, die auf geschichtliche, politische Themen sowie die Psyche des Menschen anspielen. Eine gewisse Gesellschaftskritik schwingt dabei nicht selten mit. Typisch für Khnopff ist hierbei eine collagenartige Bildgestaltung, die durch ihre grellen Farben und flächige Bemalung zum einen an Pop-Art, Werbegrafik, den Sozialistischen Realismus57 sowie Comics erinnert und zum anderen ein Gefühl von Surrealität und Unwirklichkeit auslöst.
Schon beim ersten Anblick verwirren die seltsamen Bildelemente, die recht ungewöhnlich im Bild platziert sind. Anders als jedoch bei dem belgischen Künstler, zeigt sich die Gesamtszene von vornerein als eine eindeutig unrealistische. Statt düsteren Farben und einem realistischen Malstil finden sich hier helle Farben - neben grün und gelb vorwiegend beigefarbene - die durch ihren Kontrast zu schwarzen Flächen ein comichaftes Bild im — grafischem Stil 46 ergeben.
Ausschlaggebend dafür sind auch die schrägliegenden Formen und Linien, die dem Bild zusätzlich eine gewisse Dynamik verleihen.
Symbolsprache in der Kunst als Ausdruck der menschlichen Gefühls- und Gedankenwelt
Dargestellt sind unter anderem drei sich gleichende Leinwände, die aus der Sicht des Betrachters schräg hintereinander aufgestellt sind und eine Einpunktperspektive andeuten, die von links unten nach weiter oben rechts führt. Und zwar einmal durch einen Tisch mit Farbtöpfen unten rechts im Vordergrund, angeschnitten vom rechten Bildrand und einer schwarzen rechteckigen Fläche am unteren Bildrand.
Dann noch durch ein schräg liegendes Fenster, dass sich hinter dem zweiten Gemälde befindet sowie von zwei Bildelementen, die nicht deutbar sind. Das eine erstreckt sich hinter der vordersten von den drei Leinwänden bis zum oberen Bildrand und hat Ähnlichkeit mit einem gefalteten Papierfächer. Rätselhaftigkeit erzeugt hier vor Allem eine auf einer Leiter stehenden Malerfigur, die sich vor der ersten Leinwand befindet.
Sie besitzt zwei unterschiedliche Köpfe und Arme. Die Köpfe sind beide auf die Leinwand vor ihnen gerichtet und in den Händen werden ein Pinsel und ein Malbecher gehalten. Während eines der beiden Gesichter ein normal menschliches ist, gleicht das andere denen auf den Leinwänden. Abgesehen von der Malerfigur sind zusätzlich zwei weitere Personen abgebildet.
Es handelt sich um zwei Männer, die im räumlichen Hintergrund angesiedelt sind und im Begriff sind die hinterste Leinwand wegzutragen. Weiterhin ungewöhnlich ist die Tatsache, dass der Ort surreal und nicht realistisch konstruiert ist. Erkennbar ist das neben den schon erwähnten Formen, an dem offenen Raum, der sich in Form von dem Fenster und einer sichtbaren Naturlandschaft im Hintergrund zeigt.
Bei Betrachtung der Bildgestaltung wird klar, dass 'Wahl' bezüglich des Dargestellten genau Rauchs Stil entspricht. Was sich allerdings als untypisch erweist, ist der Gesamteindruck, welcher sich - vor Allem im Vergleich zu anderen bekannten Werken 48 - kaum als verstörend, höchstens als irritierend zeigt. Weder Farbwahl noch Bildobjekte geben einen Bezug zu Endzeitstimmung oder Gewalt beziehungsweise Elend erkennen.
Rein augenscheinlich kann man also nicht beurteilen, ob 'Wahl' thematisch in das für Rauch typische Schema passt. Folgt man dem Interpretationsansatz der Pinakothek der Moderne 50 , dann stellt sich heraus, dass das Ölgemälde durchaus in Rauchs Themenschema passen könnte. Hinweis darauf liefern in erster Linie abgebildete Objekte und der Bildtitel.
Arbeitsutensilien wie Farbtöpfe, Leinwände und Pinsel machen erkenntlich, dass das Atelier eines Künstlers gezeigt wird und das Thema die Bilderzeugung ist. Hierbei liegt die Vermutung nahe, dass der deutsche Maler sich mit seinem eigenen Künstlerdasein auseinandersetzt und die Malerfigur stellvertretend für ihn beziehungsweise seine Situation steht.
Alles in Allem wird die Frage aufgestellt, inwiefern Kunst von der Ökonomisierung unabhängig sein kann, der in unserer Gesellschaft so sehr präsent ist. Hier werden also philosophische Tendenzen in Form von Fragestellungen und Gesellschaftskritik deutlich, die ja typisch für den Maler und seine Kunstrichtung sind.
Diese Verschränkung der Kunst mit ökonomischen Interessen wird unter anderem durch die beiden Männer im Hintergrund und den offenen Raum verbildlicht. Die beiden Männer verdeutlichen, dass der Künstler Aufträge abzuarbeiten hat und seine Werke nach dem Fertigstellen sofort kommerzialisiert werden.
Ziel vorliegender Arbeit war es, der Fragestellung nachzugehen, inwiefern Symbolsprache in der Kunst zum Ausdruck kommt bzw. Zu diesem Zweck wurde zu Beginn der Arbeit erstmal festgelegt, was unter Symbolsprache in der Kunst zu verstehen ist.